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Informationen zu Wohnungsgenossenschaften

Sommerfest um 1900, Wohnanlage Proskauer Straße
Sommerfest um 1900, Wohnanlage Proskauer Straße

Die Vision vom selbst bestimmten Wohnen, unbelastet von Wohnungsspekulation und Mietwucher, ist seit der Gründungsphase der ersten Wohnungsgenossenschaften zum Ende des 19.Jahrhunderts bis heute aktuell geblieben. Was damals oft befeindet oder bestenfalls belächelt wurde, ist auf den heutigen Wohnungsmärkten seit langer Zeit Realität. Viele der genossenschaftlichen Grundideen, wie der Kündigungsschutz oder die Begrenzung von Mietsteigerungen, wurden zu generell geltenden rechtlichen Vorschriften, die inzwischen nicht mehr wegzudenken sind. Dass es die Wohnungsgenossenschaften waren, die Anstöße dazu gaben, ist dabei vielfach in Vergessenheit geraten.

Die Suche nach gemeinschaftlichen Lebensformen hat auch heute vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und sich wandelnder Wohnungsmärkte nicht an Aktualität verloren. Wenn dabei von einer Renaissance des Genossenschaftsgedankens gesprochen wird, so liegt dies auch in der Besonderheit der Idee begründet. In keiner anderen Trägerform verbindet sich die soziale Utopie vom Leben in der Gemeinschaft so eng mit dem Pragmatismus des Handelns im realen Wirtschaftsleben. Bis heute stellen Genossenschaften auf den Wohnungsmärkten einen „Dritten Weg" zwischen dem individuellen Eigentum und dem Wohnen zur Miete dar. Sie zeichnen sich durch ihren Doppelcharakter als Wirtschaftsunternehmen sowie als bewohnerorientierte Selbsthilfeeinrichtungen aus. Nicht nur Planen und Bauen stehen im Vordergrund, sondern ebenso die spätere Aneignung und demokratische Teilhabe der Mitglieder.

Bewohnerfest in der WG "Johannisthal", 2004
Bewohnerfest in der WG "Johannisthal", 2004