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Genossenschaft und Gemeinschaft

Genossenschaftliche Gemeinschaften zeigen ihre Vorzüge nicht nur in wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht - in Form von Mietsicherheit, Miteigentum und Dauerwohnrechten - sondern auch durch die Förderung nachbarschaftlicher Bindungen und sozialer Verantwortung. Im Vergleich zu frühen historischen Beispielen unterlag dieser gemeinschaftsorientierte Bereich immer auch Wandlungen. Nach Phasen des Rückzugs in die Privatsphäre erfuhr der genossenschaftliche Zusammenhalt jedoch in den letzten Jahren wieder eine verstärkte Wertschätzung.

Das Leitbild des Miteinander Wohnens hat unter den Mitgliedern des Genossenschaftsforums beispielhafte Lösungen im Neubau hervorgebracht. Aber auch der nach außen wenig spektakuläre „Normalfall" - das Wohnen in stabilen Nachbarschaften - steht für die Qualität genossenschaftlicher Trägerform. Häufig setzen sich familiäre Bindungen bereits bis in die vierte Generation fort, so dass in alten Siedlungen von einem „Genossenschaftsadel" gesprochen wird. Solidarische Hilfe und ein aktives Hausgruppen- und Siedlungsleben gehören daher zum Alltag vieler Wohnanlagen.

Inzwischen gibt es in Genossenschaften zahlreiche Bemühungen, sich jenseits der typischen „Standardfamilie" für spezielle Zielgruppen einzusetzen. Aufgrund der demografischen Veränderungen rücken besonders Aktivitäten für die älteren Mitglieder in den Vordergrund. Hier sind die Unternehmen nicht nur in der Schaffung von adäquatem Wohnraum aktiv, sondern gleichfalls in der Initiierung von Selbsthilfegruppen sowie Kooperationen mit freien Trägern. So können Leistungen des betreuten Wohnens ermöglicht werden, ebenso Alternativen des „offensiven" Alterns im Mehrgenerationenverbund.

Frühstücksrunde im Garten des Wohnprojekts "Offensiv Altern" der BBWo von 1892
Frühstücksrunde im Garten des Wohnprojekts "Offensiv Altern" der BBWo von 1892

Gleichwohl bleibt die Attraktivität von Siedlungen für Familien mit Kindern und Jugendlichen ein wichtiger Schwerpunkt, da gerade die Gruppe der jungen Mitglieder das Zukunftspotenzial der Genossenschaften darstellt. Auch Auszubildende und Studenten gehören zur neu umworbenen Klientel. Ein in letzter Zeit zu beobachtender Trend deutet zudem eine zunehmende Öffnung und Vernetzung genossenschaftlicher Wohnanlagen mit ihrem umliegenden Stadtquartier an. Auch hier sind Mitgliedsgenossenschaften des Forums bereits in vielfältiger Weise in Erscheinung getreten und profitieren von Freizeit- und Dienstleistungsangeboten aus der Umgebung.

Demonstration zur Verkehrsberuhigung im Wohngebiet der WG "Bremer Höhe"
Demonstration zur Verkehrsberuhigung im Wohngebiet der WG "Bremer Höhe"

 

Baumpflanzaktion mit Kindergärten als Paten im Falkenhagener Feld, Charlottenburger Baugenossenschaft
Baumpflanzaktion mit Kindergärten als Paten im Falkenhagener Feld, Charlottenburger Baugenossenschaft

zum Weiterlesen: Anders Leben in Genossenschaften, Formen gelebter Demokratie, Berlin 2007